Kapitell


Kapitell
Ka|pi|tẹll 〈n. 11oberster, plastisch verschieden geformter Teil einer Säule, eines Pfeilers od. Pilasters (Blatt\Kapitell, Würfel\Kapitell); Sy Knauf (2), Säulenknauf, Säulenknopf [<mlat. capitellum „Köpfchen“, Verkleinerungsform zu lat. caput „Kopf“]

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Ka|pi|tẹll, das; -s, -e [spätlat. capitellum, eigtl. = Köpfchen, zu: caput = Kopf]:
oberer Abschluss einer Säule, eines Pfeilers od. eines Pilasters.

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Kapitẹll
 
[lateinisch capitellum, eigentlich »Köpfchen«, zu caput »Kopf«] das, -s/-e, Kopfstück einer Säule oder eines Pfeilers, auf dem, meist durch einen Kämpfer vermittelt, die Last der Decke, des Gewölbes, eines Bogens oder Architravs aufliegt. Die ausladende Form des Kapitells veranschaulicht die statischen Verhältnisse und wird formal aus dem Holzbau (Sattelholz) und der Vorstellung vom Baum als Stütze abzuleiten sein. Die frühesten Kapitelle wurden in Ägypten aus Lotos- und Papyrusformen entwickelt, in der Ägäis das äolische Kapitell. Die griechische Baukunst kannte drei Kapitellformen (dorisch, ionisch, korinthisch) - analog den drei Säulenordnungen -, aus denen die Römer das Kompositkapitell bildeten. Das korinthische Kapitell blieb in der Spätantike die gebräuchlichste Kapitellform. Daneben entstanden in der byzantinischen Baukunst neue Kapitelltypen: das Kämpferkapitell, bei dem Kapitell und Kämpferstein zu einer Einheit verschmolzen sind, das Korbkapitell, das Trichterkapitell, das Trapezkapitell u. a. In der europäischen mittelalterlichen Architektur lebten zu Beginn römische Kapitellformen teilweise in vergröberter Form weiter. Als neu entwickelte Typen kamen im 11. Jahrhundert das Faltenkapitell (faltenförmig gegliedertes Kapitell) in Frankreich und das in Deutschland häufig vorkommende Würfelkapitell hinzu. Das Würfelkapitell bietet in seiner Durchdringung von Halbkugel und Würfel die Überleitung vom runden Schaft der Säule zur quadratischen Deckplatte. In der Romanik, besonders ausgeprägt in Frankreich, wurde das Figurenkapitell gebräuchlich, bei dem um den Kapitellkern reiche, oft vollplastische figürliche Darstellungen gearbeitet sind. Diese bildhafte, erzählende Form des Kapitells wurde im 13. Jahrhundert abgelöst von der reduzierten Form des mit Blattknospen besetzten Kelchkapitells (Knospen- oder Crochékapitell). Die reifere Form ist das Blatt- oder Laubkapitell, das naturalistisch die Pflanzenwelt abbildet. Mit der Entwicklung zur Spätgotik wurde das Kapitell auf seine ursprüngliche Kelchform reduziert; oft verzichtete man völlig auf das Kapitell und ließ die Gewölberippen direkt aus dem Pfeiler herauslaufen. In der Renaissance und im Barock wurden die antiken Kapitellformen wieder aufgegriffen, aber auch wenige neue Sonderformen entwickelt, so das toskanische Kapitell. Im Klassizismus gelangten die antiken und ägyptischen Vorbilder wieder zu Bedeutung. Der Historismus wiederholte bekannte Kapitellformen und führte, der Bauaufgabe entsprechend, neue Ordnungen und Kombinationen ein.
 
 
B. Wesenberg: K. u. Basen (1971);
 I. Tetzlaff: Roman. K. in Frankreich (1976);
 A. Kottmann: Kapitäle als Meilensteine (71988).

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Ka|pi|tẹll, das; -s, -e [spätlat. capitellum, eigtl. = Köpfchen, zu: caput = Kopf]: oberer Abschluss einer Säule, eines Pfeilers od. eines Pilasters.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Kapitell — (Kapitäl, Kapital, lat. capitellum, »Köpfchen«), der oberste Teil einer Säule, der Säulenkopf oder Säulenknauf, der etwas über den Säulenschaft vorspringt, den Kopf vom Schafte der Säule scheidet und zugleich die letztere mit dem von der Säule… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kapitell — Sn Säulenkopf per. Wortschatz fach. (13. Jh.), mhd. kapitel Entlehnung. Ist entlehnt aus l. capitellum Säulenkopf , einer Zugehörigkeitsbildung zu l. caput Haupt .    Ebenso nndl. kapiteel, ne. (alt.) capital, nfrz. chapiteau, nschw. kapitäl,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Kapitell — Kapitell: Die Bezeichnung für »Säulenkopf, knauf« wurde in mhd. Zeit aus gleichbed. lat. capitellum entlehnt, das als Verkleinerungsform von lat. caput »Kopf; Spitze« (vgl. ↑ Kapital) eigentlich »Köpfchen« bedeutet …   Das Herkunftswörterbuch

  • Kapitell — Das Kapitell (auf der letzten Silbe zu betonen, von lat. capitellum „Köpfchen“ zu caput „Kopf“), früher auch Kapitäl genannt, ist der obere Abschluss einer Säule, einer Ante, eines Pfeilers oder eines Pilasters. Florale Kapitellverzierung an der… …   Deutsch Wikipedia

  • Kapitell — Ka|pi|tẹll 〈n.; Gen.: s, Pl.: e〉 oberster, plastisch verschieden geformter Teil einer Säule, eines Pfeilers od. Pilasters, Bindeglied zw. den Stützen u. der Last; WürfelKapitell; oV Kapitäl [Etym.: <mlat. capitellum, Verkleinerungsform zu lat …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Kapitell — Ka·pi·tẹll das; s, e; der oberste (meist verzierte) Teil einer Säule o.Ä. || Abbildung unter ↑Säule …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Kapitell — Ka|pi|tell das; s, e <aus gleichbed. lat. capitellum, capitulum, eigtl. »Köpfchen, Säulenkopf«, zu caput, vgl. ↑Kapitel> oberer Abschluss einer Säule, eines Pfeilers od. ↑Pilasters …   Das große Fremdwörterbuch

  • Kapitell — Ka|pi|tẹll, das; s, e <lateinisch> (Architektur oberer Säulen , Pfeilerabschluss) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Dorisches Kapitell — Der Parthenon Die dorische Ordnung ist eine der fünf klassischen Säulenordnungen. In der Hierarchie der Ordnungen steht sie zwischen der toskanischen und der ionischen Ordnung. Inhaltsverzeichnis 1 Historische Entwicklun …   Deutsch Wikipedia

  • korinthisches Kapitell — korịnthisches Kapitẹll,   Kapitell, Säulenordnung …   Universal-Lexikon